Flegel- und Jugendjahre
Hotel Bären in Feldkirch (Österreich)
Martin, mein Bruder, arbeitete eine geraume Zeit in Sennwald, lebte aber in München. Unter der Woche logierte er im Hotel Bären in Feldkirch. Denn jeden Abend nach München zu reisen wäre zu umständlich gewesen. Er lud uns einmal ein um die Firma zu besichtigen und danach auch im Hotel zu übernachten. Dann könnten wir zusammen noch den Abend geniessen.
Ich sah meinen Bruder sehr selten. Die Distanz Zürich - München ist doch ziemlich gross. Freudig nahm ich das Angebot an. Ich packte meine Mutter und Sascha ins Auto und los ging die Fahrt. Am Mittag trudelten wir bei der Firma ein. Martin erwartete uns schon. Er hatte sich für den Nachmittag frei genommen, damit er uns in Ruhe alles zeigen konnte und wir etwas Zeit zusammen hatten.
Wir blieben bis etwas 14 Uhr in der Firma. Er stellte uns die Angestellten vor und zeigte uns alles, dies war sehr interessant. Sascha wurde von allen Seiten gestreichelt. Von ihm aus hätten wir vermutlich bis am Abend dort bleiben können. Nun gut. Wir fuhren danach nach Feldkirch, wo mein Bruder uns unser Zimmer zeigte. Wir trugen als erstes mal die Sachen hoch und gingen dann sein Zimmer bestaunen. Wow! In dem Zimmer hätte ich es auch locker ausgehalten. Toller Schuppen.
Da strahlender Sonnenschein war, entschieden wir uns, noch etwas die Ortschaft anzusehen. Es gab gleich oberhalb des Hotels grüne Wiesen. Da konnte Sascha ohne Leine rumdüsen ohne dass etwas passieren konnte. Dies stellte sich jedoch als grösseren Trugschluss heraus. Meine Mutter und ich konzentrierten uns auf Martin und lauschten seinen Worten. Dabei warf ich wieder einmal einen Blick nach Sascha. Ich hatte ihn schon eine Weile nicht mehr gesehen. Er war, als ich das letzte mal zu ihm sah, mit mausen und sich im Gras rumwälzen beschäftigt.
Genau in dem Moment kam er mit fliegenden Ohren auf uns zugerannt, doch oh weh, jetzt sah ich es erst. Genau da wo er hinrannte, hatte es eine ziemlich steile Böschung. Ich schrie und fuchtelte, aber zu spät. Sascha flog und flog. Ich wusste gar nicht, dass ich einen Flughund hatte. Plumps. Ziemlich unsanft landete er auf der harten Strasse. Mir sass der Schrecken in den Knochen. Ich rannte zu Sascha hin der noch ziemlich perplex auf dem Boden lag. Ich befürchtete schon schnellstens einen Tierarzt suchen zu müssen. Aber der Kleine hatte Riesenglück. Er stand auf und latschte gemütlich weiter schon wieder voll beschäftigt mit Grasbüscheln beschnuppern. Dies hätte leicht ins Auge gehen können! Wir schlenderten noch etwas kreuz und quer durch die Landschaft. Diesmal ohne Zwischenfälle.
So gegen 18 Uhr kehrten wir nochmals kurz ins Hotel zurück um Sascha essen zu geben und uns umzuziehen damit wir danach Nachtessen gehen konnten. Zwischen 22 und 23 Uhr kehrten wir gut genährt und zufrieden ins Hotel zurück. Wir begaben uns noch etwas zu Martin aufs Zimmer um einen Schlummi (Schlummertrunk) zu trinken.
Jetzt waren mir auch noch die Glimmstengel ausgegangen. Da ich viel rauche ist dies jedesmal eine echte Katastrophe. Wieder runter zu gehen ödete mich ziemlich an. Martin, lieb wie er war, empfahl sich, dem kleinen Schwesterlein die Zigaretten zu organisieren. Ich sagte ihm: "Nimm Sascha mit, dann kann der Kleine nochmals an die frische Luft. Vielleicht muss er noch mal sein Beinchen heben." Martin suchte die Leine. Ich drückte sie ihm in die Hand mit der Bemerkung: "Hier im Hotel brauchst Du ihn nicht an die Leine zu nehmen, er folgt Dir bei Fuss, aber draussen bitte, sicherheitshalber."